An den hiesigen Schulen gibt es noch viel zu tun, um die Luftqualität zu verbessern.

Christof Lampart, Thurgauer Zeitung vom 2. März 2020, Bild: Peter Heider

Rund 50 Fachleute – unter anderem Schulleiter, Luft- und Energiespezialisten, Hauswarte und Ingenieure – fanden sich kürzlich zum Event «Raumluft macht Schule» in Weinfelden ein, zu welcher die Initiative «Meine Raumluft» eingeladen hatte. Dabei diskutierte man die Frage, wie die Luftqualität in den Schulen positiv beeinflusst werden könnte. Beim von Danielle Lalive d’Epinay moderierten Talk suchten Thomas Wie- land (Präsident Primarschule Weinfelden), Martin Müller (Energieberatung in der Abteilung Energie), Peter Störchli (Leiter Bauten Mittelschul- und Berufsbildungsamt Kanton Zürich) sowie Wolfgang Bosshard (Leiter Ausführung Primarschulzentrum Elisabetha Hess) nach Lösungen.

Für eine lange Zeit gute Luft garantieren

Thomas Wieland legte dar, welchen zeitlichen Spagat eine mo- derne Schule in Sachen Luftqua- lität heute vollbringen müsse. «Wir müssen die Luftqualität so halten, dass nicht nur die Schüler gute Leistungen erbringen können, sondern auch die Lehrkräfte. Denn diese sind oft noch in der Schule, wenn die Kinder schon wieder zu Hause sind – also schon einmal zehn Stunden oder mehr.» Die Bedürfnisse seien also klar, bei der konkreten Umsetzung hapere es dann aber doch an der einen oder anderen Stelle. Zwar seien die meisten Schulgemeinden im Thurgau autonom in Sachen eigener Raumplanung, doch scheiterten visionäre Projekte oft an den Kosten oder sonstigen Widerständen.

Sechs Grad Unterschied von Innen und Aussen

Immerhin habe man beim Neubau des Primarschulzentrums Martin Haffter seitens der Behörde die Vorgabe durchgesetzt, dass die Innentemperatur mindestens sechs Grad kühler sein müsse als die Aussentemperatur, so Wieland. Wenn draussen 30 Grad Celsius gemessen werden, darf die Luft im Schulzimmer nur 24 Grad betragen. «Das ist technologisch ein anspruchsvolles Ziel, aber machbar und in den Zeiten des Klimawandels unbedingt ein Muss», erklärte Wieland. Die Krux für die Planer bestehe nun darin, dass man für die Kühlung der Luft mehr Energie brauche, was im Grunde genommen jedoch den Klimazielen des Bundes widerspreche. Doch könne man die benötigte Energie herstellen, indem man auf dem Schuldach auf Fotovoltaik setze, so Wieland. Auch bei den Sanierungen alter Schulhäuser läge viel Potenzial drin, zeigte sich Martin Müller überzeugt: «Wenn eine Sanierung wirklich erfolgreich sein soll, dann müssen die Behörden hinstehen und zuerst einmal genau sagen, was sie erreichen wollen. Steht dies fest, dann kann man das Energie-Ziel auch mit viel Kreativität und Durchsetzungs- vermögen auch erreichen», so der Energieexperte. Viel erreichen in Sachen Luftqualität kann man schon mit wenigen Schritten – wie das wiederholte Lüften des Schulzimmers, weshalb Peter Störchli betonte, dass «das Allerwichtigste bei einer nicht so guten Luftqualität das Benutzerverhalten ist – und zwar
vom Hauswart über die Lehrer bis hin zu den Schülern. Wenn alle mitziehen, dann kann man auch einmal sich gut über die Zeit retten, bis eine neue Lüftung installiert wird». Für Schulen, bei welche keine Sanierung ansteht, hatte Störchli einen ganz einfachen Kühlungstipp: «Lasst im Sommer die Storen unten. Das ist dann zwar nicht lässig, aber sehr effektiv.»

«Uns sind in der Regel die Hände gebunden»

Wenig machen, ausser auf die Qualität der anstehenden Arbeiten zu achten, kann in Sachen Luftqualität beim Neubau eines Schulhauses der Bauunternehmer: «Uns sind da in der Regel die Hände gebunden, da wir vom Bauherrn in der Regel klare Vorgaben haben», so Bosshard. Dennoch hat der Baufachmann einen konkreten Wunsch: «Man sollte genug Zeit einplanen, damit sich bei der Inbetriebnahme alles einspielen kann, bevor die Schule dann wieder auf Hochtouren läuft.»

Christof Lampart